IAS-Mitteilungen

40 Jahre IAS :

Im Dienste Ihrer Sicherheit

 

 

 

Der IAS (Internationaler Arbeitskreis Sicherheit beim Skilauf e.V.) feiert seinen 40. Geburtstag. Der 1. Vorsitzende Prof. Dr. Peter Schaff über die Anfänge und die wichtige Rolle, die der IAS damals wie heute bei der Skisicherheit spielt.

 

 

Wie kam es zur Gründung des IAS?

 

Grund war die dramatische Zunahme von Skisportverletzungen. Zwischen 1950 und 1966 stiegen sie um das Zehnfache. Eine Gruppe um Hans Schwartze, Dr. Ernst Asang und Dr. Anselm Vogel gründete den IAS primär mit dem Ziel, die Skibindung zu verbessern. Vielleicht erinnern sich manche noch: Die Bindung war damals eine reine Befestigungsvorrichtung für den Skischuh. Schwere Stürze führten damals fast unausweichlich zu einem Unterschenkelbruch.

 

Waren für die Verbesserung nicht die Bindungshersteller zuständig?

 

Natürlich auch, aber nicht alleine. Das Besondere am IAS war und ist die Zusammensetzung aus Technikern, Medizinern und Sportfachhändlern. Der IAS hat es verstanden, die unterschiedlichen Disziplinen an einen Tisch zu bringen, gemeinsam die Probleme zu diagnostizieren, Lösungen zu erarbeiten und schließlich umzusetzen.

 

Wann haben die Bemühungen des IAS erstmals Früchte getragen?

 

Bereits 1969 wurde die IAS-Richtlinie Nr. 100 für Skisicherheitsbindungen verabschiedet. Sie war das Ergebnis einer intensiven Zusammenarbeit mit dem Deutschen Normen Ausschuss, heute DIN, und Skibindungsherstellern aus ganz Europa. Die Verbesserung der Funktionseinheit Ski-Schuh-Bindung vollzog sich binnen weniger Jahre rasant. Das lag auch an der Tatsache, dass sich IAS-Norm und DIN-Norm ständig nach oben hin anpassten, sich praktisch gegenseitig hochschaukelten.

 

Welche Rolle spielte der TÜV Bayern bei der Skisicherheitsfrage?

 

Bereits zu Beginn des IAS war der TÜV Bayern als unabhängiges Prüfinstitut bei der Prüfung von Skisicherheitsbindungen und später Skibremsen beteiligt. Das Wintersportlabor, mittlerweile beim TÜV SÜD, genießt  weltweit eine hohe Anerkennung. Das zusätzlich zum TÜV GS Zeichen erteilte IAS Prüfzeichen garantierte in den neunziger Jahren den höchsten Sicherheitsstandard. Die Mitarbeit in Normenausschüssen und die praxis- und industrienahe Prüfung der Sicherheitsausrüstungen helfen über die erteilten Prüfzeichen dem Verbraucher bei der Auswahl der sicheren Ausrüstung.

 

Wurde der IAS finanziell unterstützt?

 

Der IAS fand in der DSV-„Stiftung Sicherheit im Skisport" Mitte der 70er Jahre einen starken und verlässlichen Partner. Mit Unterstützung der SIS konnte der IAS wichtige Forschungsvorhaben realisieren und fand dabei auch international viel Beachtung.

 

 

Wie wirkte sich diese ständige Verbesserung auf das Skiunfallgeschehen aus?

 

Die Unfallhäufigkeit ging deutlich zurück. Derzeit kommen statistisch 2,1 Verletzungen auf 1.000 Skifahrer. Das ist der niedrigste Stand überhaupt. Auch die Art der Skiverletzungen veränderte sich. Der klassische Beinbruch ist praktisch nicht mehr existent. Heute sind Kreuzbandverletzungen die häufigste Verletzungsart.

 

Die Funktionseinheit Ski-Schuh-Bindung ist technisch ausgereift. Was gibt es für den IAS noch zu tun?

 

Die Sicherheit ist und bleibt das Hauptanliegen des IAS - und die hängt nicht einzig und allein vom technischen Gerät ab. Wir müssen darauf hinweisen, dass ein hoch entwickeltes Material nicht automatisch Sicherheit bedeutet. Was nützt die beste Skibindung, wenn sie falsch eingestellt ist? Skifahrer müssen begreifen, dass nicht der Ausrüster, sondern er ganz allein für die Sicherheit auf der Piste zuständig und verantwortlich ist. Die Einhaltung der zehn FIS-Regeln sollte für jeden Skifahrer und Snowboarder verbindlich sein.

 

Hat sich der Stellenwert des Skisports stark verändert?

 

Ich beurteile die Veränderung sehr positiv. Gerade die neue Carvergeneration hat den Spaß und den Genuss am Skifahren erhöht. Diese Ski erleichtern Anfängern das Erlernen und vermitteln erfahrenen Skifahrern das Gefühl, deutlich besser skizufahren. Die verbesserte Pistenpflege trägt ihr Übriges dazu bei.

 

... und hat auch älteren Skifahrern die Lust aufs Skifahren zurückgebracht.

 

Genau. Die so genannten Best Ager stellen einen immer größeren Anteil dar. Mit einem wendigen, taillierten 1,70 Meter Ski kommen sie plötzlich hervorragend im Tiefschnee oder in Buckelpisten zurecht, in denen sie früher mit ihren Zwei-Meter-Latten verloren waren. Und noch eine Entwicklung, die ich sehr begrüße: Skifahren ist nicht mehr nur Sport, sondern auch Naturerlebnis für die ganze Familie. Er ist ein Sport mit Wellnessfaktor und ein Sport, mit dem man gerne alt werden möchte.